Ballon Ultra 2021

Nur glückliche Gesichter beim Ballon Ultra

Da ging ein tiefes Durchatmen durch die Laufszene. Der Ballon Ultra in Hamm konnte wie geplant am 25. und 25. Juli stattfinden. Dazu musste sich allerdings jeder der StarterInnen testen lassen.  Das war aber kein Problem. Wer ohne Test angereist war, konnte das vor Ort erledigen. Das war dann die Eintrittskarte zu diesem phantastischen Laufevent.

Ausgedacht hatte sich das Ganze Jan-Philipp Struck.  Mit seinem tollen Team leistete er an diesem Wochenende unglaubliches und ließ in der glücklichen Laufgemeinde keine Wünsche offen. Ca 150 Starter mussten betreut werden. Von der Verpflegung her gab es alles, was man sich nur wünschen kann. Von Obst über Nudeln, Brötchen, Kuchen und sogar Pommes gab es so gut wie alles. Auch an Getränken waren die Veranstalter gut aufgestellt.
Das alles spielte auf dem Gelände des Bürgerhauses alte Heide in Unna statt. Auf dem schönen Außenbereich mit Biergarten  und viel Wiese mit zahlreichen Liegestühlen kam sogar etwas Urlaubsstimmung auf. Auch die vielen Zelte erinnerten an einen Campingplatz. Auch Duschen und Massage war möglich. Darum war die Stimmung rund um Start und Ziel auch prächtig.
Aber es sollte ja auch noch gelaufen werden. Hier geht ein Riesenkompliment an den Veranstalter,  der, bis auf ganz wenige Ausnahmen diese langen Strecken mit Schildern, Sprühkreide und Flatterband gekennzeichnet hatte.

Das das eine Herkules Aufgabe war, wird klar, wenn man sich die Distanz anschaut. Wer alle 8 Rennen  mitläuft, kommt auf 100 Meilen. Los ging es Samstagmorgen über die Strecken 5-10-15-20  Meilen in die eine Richtung. Dann ging es anders herum über die grün 20-15-10-5 Meilen weiter. Pro 5 Meilen hatte man 100 Minuten Zeit. Es ging nach dem Motto „Wer schneller läuft, hat länger Pause“. Wer bis dahin alles gelaufen war und noch nicht genug hatte, konnte am Sonntagabend nach der Siegerehrung noch 25 Meilen dran hängen. So hatte man die Möglichkeit, auf 200 Kilometer zu kommen.  Nach dem sehr heißen Sonntag machte davon aber niemand Gebrauch.

Mein Laufbericht

Für Birgit Jahn und mich , Ralf Schuster , vom Laufteam   sollte der Ballon Ultra der nächste Höhepunkt unseres Laufjahres werden. Die Vorfreude war bei uns sehr groß. Im Frühjahr sind wir immer wieder mal bei den Ballonathon Serie gelaufen  und haben uns so über das Frühjahr gerettet. Viel mehr fand ja leider nicht statt. Hier haben wir auch dank Jan-Philipp Struck,  dem Erfinder der Serie, viele neue Lauffreunde gefunden. Einige davon sollten wir heute wieder sehen.
Wir reisen um 8 Uhr an und es geht gleich gut los. Mit Ilo und Rainer weisen uns gleich zwei Bekannte auf den Parkplatz. Wir brauchen das Zelt zum Glück nicht weit zu schleppen, da kann man Kraft sparen.  Schnell ist alles aufgebaut und die Startnummer abgeholt. Bis zum Start um 10 ist noch reichlich Zeit. Die nutzen wir zu ausgiebigen Gesprächen. Zum Teil hat man sich durch Corona schon Jahre nicht mehr gesehen.  Da gibt es viel zu erzählen.

Aber wir wollen ja auch noch etwas laufen und so geht es pünktlich um 10 Uhr auf die Strecke für die ersten 5 Meilen. Gruppen bilden sich hier nicht. Dazu ist es zu kurz. Allerdings ist es sehr warm und unglaublich schwül und das schon so früh am Morgen.  Das lässt für den Tag Schlimmes erahnen. So kommt es leider dann auch über die 10 Kilometer.  Es sind fast 30 Grad und die Feuchtigkeit steht in der Luft. Wir quälen uns durch und duschen erst mal kalt . Hoffentlich geht das nicht so weiter!

Der Wettergott hat zum Start der 15 Meilen Mitleid und schickt schon mal Wolken. Wir finden eine gute Gruppe und es läuft ziemlich gut. Gabi und Christoph sind dabei und sorgen für gute Stimmung. Bei kurzweiligen Gesprächen verfliegt die Zeit und Nieselregen bringt echte Abkühlung.  Nie habe ich mir Regen so gewünscht. Und damit stehe ich nicht alleine. Den Höhepunkt liefert wohl Mario, der hier mal so nebenbei seinen ersten Ultra läuft. Der Sport schreibt schon manchmal schöne Geschichten. So haben wir im Ziel schon mal was zu feiern.
Das lief viel besser als gedacht. Und das ist gut so . Jetzt stehen nämlich die beiden 20 Meiler durch die Nacht auf dem Plan. Mit jeweils 450 Höhenmeter eindeutig die Königsdisziplin.

Den ersten nehmen wir mit den Sauerländischen Sabine und Michael in Angriff.  Die waren auch schon in der 15er Gruppe dabei. Gerade nachts ist es wichtig eine gut funktionierende Gruppe zu haben.  Das ist schon mal der Anfang.
In der Dämmerung setzt dann nochmal Regen ein. Aber die Gewitter bleiben aus. So geht es locker dahin. Und als es dunkel ist sind wir etwa 7 Leute, die gegenseitig aufeinander aufpassen.  So gibt es nachts dann die volle Dosis Natur pur.  Durch Zauberwälder, durch mannshohes Gras und mit riskanter Bachquerung erleben wir ein Miniabenteuer nach dem anderen.  Über rutschige Feld- und Waldwege mit riesigen Furchen bahnen wir uns unseren Weg. Wir sehen den seltenen Feuersalamander in großer Zahl und im Schein unserer Stirnlampe sehen die aufgeschreckten Insekten wie ein Schneesturm aus.  Wie auf Kommando hört der Regen auf und der Vollmond zeigt sich in seiner ganzen Pracht. Als Städter beeindruckt mich das schon sehr. Und dieser Zusammenhalt in unserer Gruppe  hilft schon sehr   Wir sind glücklich, Teil dieses Teams zu sein.
Fast wäre es der perfekte Lauf für uns geworden.  Ganz kurz vor dem Ziel haben wir und dann doch noch verlaufen. Erst mal ist die Stimmung natürlich im Keller.  Aber dank der Gruppe mit viel Aufmunterung kommen wir mit 4 Extra Kilometern im Gepäck doch alle glücklich im Ziel an.

Es ist still als wir im Ziel einlaufen. Bis zum nächsten 20er ist noch Zeit. Birgit und ich werden den aber auslassen. Nur nicht übermütig werden. Wir essen eine Kleinigkeit und dann geht es fix unter die Dusche.  Das Wasser ist sogar warm. Das Leben ist schön! Wir schlafen wie die Murmeltiere.

Morgens um halb 8 reißt mich Nana Mouskouri aus dem Schlaf. Guten Morgen Sonnenschein dröhnt es über das Gelände.  Für mich als Langschläfer ein Albtraum.  Birgit macht das nichts. Sie ist das Gegenteil von mir und gleich fit. Sie kommt schon fertig eine halbe Stunde später wieder,  um mich zu wecken. Wird Zeit für mich, der 15er wartet. 2 halbe Nutella Brötchen retten mir das Leben. Aber zum Start bin ich rechtzeitig fertig.

Wir wollen wieder mit Sabine und Michael Laufen. Hat ja schon in der Nacht gut geklappt. Alba gesellt sich noch dazu. Das passt ausgezeichnet.  Körperlich sind alle ziemlich angeschlagen.  Wir wählen ein langsames Tempo. Denn es ist wieder richtig heiß geworden. Mit einigen Gehpausen geht es aber trotzdem Stück für Stück weiter und wir nehmen uns Zeit an den Verpflegungsstellen.  Unterwegs gibt es Wassereis als Motivationshilfe. Und so schaffen wir es ins Ziel.

Für Birgit ist jetzt wie geplant Schluss. Ganz starker Auftritt von ihr nach ihren Bandscheiben Beschweren.  Auf ihre 65 Meilen (108 Kilometer) kann sie sehr stolz sein .

Über die 10 Meilen starte ich zuerst alleine. Mal sehen was noch so geht. Ziemlich schnell laufe ich zu einer alten Lauffreundin auf. Mit Claudia bin ich schon öfter gelaufen. Sie war wohl auch leicht angeschlagen.  Jetzt machen wir zusammen einen tollen Lauf. Trotz der Wärme und einiger Steigungen sind wir schnell und gleichmäßig unterwegs. Wir haben und eine Menge zu erzählen. Nur von einer Eispause lassen wir uns bremsen. Das aber gerne und schon sind wir wieder am Bürgerhaus.

Zum 5er ist Claudia aber auch raus. Aber das kriege ich jetzt auch noch hin. Ich laufe zügig und Gleichmäßig.  50 Meter vor mir geben mir 2 Läufer mein Tempo vor. Danke Jungs. So ist der 5er schon nach kurzer Zeit geschafft.

Glücklich erreiche ich das Ziel. Hier werde ich dann auch richtig gefeiert. Sportlich habe ich meine Ziele alle erreicht. 80 Meilen sind es geworden. 12 Mann und Platz 2 in meiner Altersklasse M60.Viel mehr geht nicht. Birgit siegte sogar in der W45 und war achte Frau.
Aber das sind nur Zahlen.
Viel wichtiger waren die Emotionen. Davon gab es reichlich.  Ich habe mich über jedes Gespräch mit meinen Lauffreunden gefreut. Ich habe euch so vermisst.
Und es sind wieder ein paar neue dazu gekommen. Ich freue mich schon, bald mal wieder mit euch zu laufen. Das muss klappen.
Das ist das, worauf es mir beim Laufen ankommt.
Schade, dass ich die Siegerehrung nicht mit erleben konnte. Aber das kann ich nach diesem Laufabenteuer gut verschmerzen.

Das Schlusswort geht natürlich an die vielen freiwilligen Helfer. Danke, dass ihr das für mich möglich gemacht habt. Danke natürlich auch an Jan-Philipp . Wie ich dir schon am Sonntag sagte .Danke und mach immer so weiter“

 

Bericht und Foto: Ralf Schuster

 

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